Pflege – Tipps zu:
Verwirrtheit, Gestörtem Tag - / Nacht - Rhythmus, Aggressivität

O. g. Probleme können für alle Betroffenen sehr belastend sein. Die zugrundeliegenden Gesundheitsstörungen können vielgestaltig sein. Letztlich verursachen sie jedoch alle einen fehlerhaften Stoffwechsel der Hirnbotenstoffe.
Auch wir Gesunde träumen manchmal nachts im Schlaf lebhaften „Unsinn“, den wir – während und solange wir träumen - für wahr halten. Ebenso erleben dies die Verwirrten nur am Tage und irgendwie partiell wach:
Tagträume, Halluzinationen, Situationsverkennung . Sie sind desorientiert und oft unruhig.
Die behandelnden Ärzte sollten nach möglichen auslösenden Erkrankungen gefragt werden.

Mögliche Ursachen sind unter anderem:
Medikamenten- Wirkungen, - Nebenwirkungen, -Interaktionen,

insbesondere Beruhigungsmittel, Schlaftabletten, Parkinsonmittel etc.
Alkohol- oder Medikamententzug
Altersabbau der Hirnleistung, Morbus Alzheimer, Durchblutungsstörungen,
Hirn-Tumore oder - Metastasen,
Harnentleerungsstörung ( z. B. Unruhe bei übervoller Harnblase)
Innere Erkrankungen (z. B. Schilddrüse / Hormone / Leber / Diabetes etc.)
Neurologische Erkrankungen
Durchgangssyndrome nach OP, Narkose, Wechsel der gewohnten Umgebung.
Können gewisse Medikamente ursächlich sein?
Verwirrtheit kann bestehen durch: > zuviel Medikamente: Ein ärztlich verordneter Auslassversuch über mehrere Tage bringt dann langsame Besserung > zuwenig Medikamente: Zusätzliche ärztlich verordnete Medikamente bessern hier die Situation.

Medikamente können zuvor schon jahrelang ohne Probleme eingenommen worden sein.
Erst neuerdings kann ihr Abbau verzögert sein:

>> z. B. scheidet die Niere durch Austrocknung nicht genug Medikamente aus,
>> oder altersbedingt kommt es zur Minderung der Leber-/ Nierenleistung
>> oder weitere Medikamente kamen hinzu , die den Medikamenten- Abbau stören etc.

Dann kann es zum Anstau von verwirrungs- stiftenden Stoffwechselprodukten kommen.
Beruhigungsmittel haben oft sehr lange Abbauzeiten,- teils über 24 Stunden.
Solche Mittel lassen sich bei regelmäßiger täglicher Gabe nicht mehr in 24 Std. abbauen.
Jeden Tag stauen sie sich deshalb mehr an und erreichen langsam über Tage / Wochen oder Monate
verwirrungs- stiftende Wirkspiegel.
Häufig liegt aber auch eine aktuell wenig- oder nicht beeinflussbare Hirnabbau- Erkrankung alleine vor, ohne
weitere abstellbare Ursachen

Behandlung:
>> Die Medizinische Diagnostik und Behandlung soll nach Maßgabe des Arztes erfolgen.
Sporadische Check´s auf Aktualität der Behandlung sind hier sinnvoll.

>> Pflegerische Möglichkeiten: Feste Bezugspunkte sind im Alter wichtig: Daten zu Raum, Zeit und Person sollten
immer wieder den Verwirrten erläutert werden.
“ Du bist zu Hause. Das ist dein Bett. Es ist Tag. Du bist… Ich heisse… ich bin deine Tochter... etc.“ Dieses tag- täglich.

Ein regelmäßiger fester Zeit- Rhythmus von Essen, Schlafen, Waschen etc. ist hilfreich.

Hirnabbau lässt sich verlangsamen und manchmal auch umkehren.
Sport ( 20 min / Tag, 3 x / Woche )war in Studien hier besonders effektiv.
Sogar effektiver als alleiniges Hirntraining. In vielen Studien half Hirntraining nur, wenn gleichzeitig auch Sport erfolgte.
Ohne Sport half es nicht ! ! !. „Sport“ wird sich wohl selten noch richtig einrichten lassen, aber vielleicht können Sie - falls ärztlich erlaubt,- eine Annäherung erreichen und kleinere sportliche Aufgaben stellen: Bewegung wie z. B. Bett- Heimtrainer, Spaziergang, Treppengang etc..

Geistige Ansprache ist wichtig: Das Gehirn sollte auf vielfältige Weise angeregt werden:
Hören, Sehen, Sprechen, Fühlen , Riechen, Schmecken etc.
Ein fehlendes oder defektes Hörgerät reduziert den Daten-Input in das alternde Gehirn
mit der Folge schnelleren Altersabbau auch von Intelligenz.

Die Zuteilung von verantwortungsvollen Aufgaben stärkt das Selbstwertgefühl:
Wäsche falten, leichte Hausarbeiten, Zeitung holen, Zeitung vorlesen, Briefkasten leeren etc.

Keine logischen Diskussionen mit Verwirrten
Berichtigungen von Wahnvorstellungen bringen meist keinen Erfolg, nur noch mehr Erregung.
Die Betroffenen halten den Wahn für wahr und werden ihn energisch verteidigen. Kaffee stärkt manchmal ein die Hirnleistung, falls ärztlich keine Einwände bestehen.

Unruhe / Aggressivität
Eventuelle Unruhe und Aggressivität sind oft Ausdruck von Unsicherheit.
Ohne klare Orientierung und Wahrnehmung fühlen sich die Betroffenen hilflos, bedroht oder schutzlos.
Ein entwicklungsgeschichtlich alter Art- Erhaltungsreflex weckt dann evtl. Aggressivität.
Hier hilft evtl. Beruhigung bzw. Spenden von Sicherheit und Geborgenheit.
„Ich passe auf dich, auf. Ich bin bei Dir. Hier bist du sicher“
Manchmal ist auch nur eine schmerzhaft volle Harnblase Ursache der Unruhe.
Aggressivität kann aber auch aus einem Ungleichgewicht von erregenden / beruhigenden Botenstoffen resultieren,
ohne aktuelle Zugänglichkeit zu sprachlicher Einflussnahme.
Dann können Beruhigungs- Medikamente nach ärztlicher Anordnung erforderlich sein.

Gestörter Tag- / Nacht Rhythmus
Sind Verwirrte nachts unruhig und machen die Nacht zum Tage, so sollte man Sie tags kategorisch am Schlafen hindern.
Tag - Schläfer werden nachts naturgemäß nicht müde sein.
Kurzwirksame Schlaftabletten können nach Absprache mit dem Arzt erforderlich sein. Manchmal müssen diese mehrere
Stunden vor dem gewünschten Wirkeintritt gegeben werden, weil gewisse Stoffwechselschritte beim alten Hirn
manchmal verzögert ablaufen.

Gestörter Tag- / Nacht Rhythmus
Wichtig sind Schlaf- und Regenerationszeiten/ Kurzurlaube oder auch richtige Urlaube der pflegenden Angehörigen,
um auf Dauer den Belastungen standhalten zu können.

– Sprechen Sie uns an, wir unterstützen sie bei Lösungswegen -
Angehörige, Nachbarn, Freunde oder Pflegedienste können gebeten werden einzuspringen.
Entlastung kann eine Urlaubs- Unterbringung im Pflegeheim schaffen, ggf. eine vorübergehende ärztliche Einweisung in eine Tagesklinik- oder falls erforderlich eine Krankenhaus- Einweisung z. B. in die Geriatrie, Psychiatrie Innere etc.
Überlastet und mit schwindenden Kräften kann man immer weniger leisten.
Und manchmal ist es nötig, Kraft zu tanken, um das Erforderliche auf Dauer auch wirklich leisten zu können.

Geistige Einstellung
Wichtig ist es gütigen Abstand zu halten. So schmerzlich es auch ist:
Der aktuell Verwirrte ist nicht mehr ganz der Mensch, der er früher einmal war.
Ein wichtiger Teil von Ihm, -der klare Verstand-, funktioniert momentan leider nicht.
Man kann also nicht weiter miteinander kommunizieren – wie früher- als wäre da kein wesentlicher Unterschied.
Reaktionen, Gefühle und Wortwahl etc. sollten also an die neue, - wesentlich geänderte-, Situation angepasst werden.

Es gilt also im gegenseitigen Umgang umzulernen:
- alte Verhaltensmuster abzubauen
- eine neue- trotzdem positive- Beziehung aufzubauen
Schimpfen, - was früher bei klarem Verstand vielleicht Sinn gemacht hätte – bringt nun bei Verwirrtheit meist herzlich wenig, und führt bei vielen Angehörigen erfahrungsgemäß später zu Selbstvorwürfen.
Zurechtweisungen wirken nur bei geistig klaren Menschen. Bei Verwirrten kommen Sie naturgemäß nicht an. Deren Hirnfunktion ist durch Ungleichgewicht der Botenstoffe wie im Halbnarkose- Rausch behindert und ausserhalb der Realität. Sie sind unschuldig. Ob Verwirrte nun nerven, Streß, Schmutz oder Unsinn verursachen: Schimpfen ist bei Ihnen wegen der Verwirrtheit sinnlos und - im Gegensatz zu früher - vollkommen wirkungslos.
Besser sind vielmehr liebevolle ordnende Orientierungshilfen durch Hinweise zu Raum, Zeit und Person – wie oben erwähnt. Regelmäßig, ruhig und liebevoll wiederholt. Rückfragen können prüfen: Was ist angekommen?,
Was muss wiederholt werden bis es ankommt ? Kommt es auch nach vielen Wiederholungen nicht an ?

Ein Lob bewirkt mehr als viele Tadel
Abschließend wollen wir eine seit Jahren aufopferungsvoll pflegende Angehörige zu Wort kommen lassen. Sie sagte einmal: “Oft macht er Unsinn, Dreck und Arbeit. Gemacht werden muss die Arbeit ohnehin. Aber man kann die Arbeit so oder so tun: negativ oder positiv.
Vergleichen Sie einmal einen Menschen, der dabei stets missmutig nörgelt und schimpft - mit mir:
wir machen beide vielleicht die gleiche Arbeit. Doch nur > das Was ist gleich.
> Das Wie ? macht den Unterschied:
Der eine macht seine Arbeit widerwillig, negativ und schimpft über die frustrierenden Ereignisse.
Zwar opfert er genauso wie ich, seine schöne eigene Lebenszeit für die Pflege.
Aber beim Zurückschauen bleiben Ihm später leider auch einige Schuldgefühle. Seine Zeit ist sowohl geopfert, als auch negativ belastet. Ich dagegen versuche auch es nun besser zu machen.
Wenn ich meine schöne Zeit schon zur Pflege meines Mannes opfere, dann soll diese kostbare Zeit doch wenigstens rundum positiv gestaltet sein.

Als ich gestern wieder stuhlverschmierte Wände säuberte, sagte ich mir dabei:
Hier tue ich positiven Dienst am Nächsten - Damit ging es besser.
So bemühe ich mich stets aufs Neue um Gelassenheit nach dem Motto:
“ Ich kann es zwar nicht grundsätzlich ändern-
aber ich kann mich bemühen… das Beste zu erreichen“.