Dekubitusprophaylaxe ( Vorbeugung von Druckgeschwüren / Wundliegen ) :
Die Gefahr von Wundliegen bzw. Druckgeschwürbildung besteht insbesondere bei
- Nachlassen der Eigenbeweglichkeit / Lähmungen
- Bewusstseinseintrübung
- Untergewicht, Mangelernährung
- Bettlägerigkeit
- Diabetikern - vor allem mit Nerven-Gefühlsstörung
- Durchblutungsstörungen
Während der gesunde Körper periodisch unwillkürlich den Körpergewichtsdruck auf unterschiedliche Hautareale verteilt,
kommt es bei o. g. Zuständen häufig zu einem über 2 Stunden lang andauernden Zusammendrücken von ein und demselben Hautareal.
Weil in dieser Zeit die Gewebedurchblutung des komprimierten Areals mangelhaft ist, kommt es zu Gewebeerstickung.
| Stadium I | Im Anfangsstadium besteht eine konstante Rötung, die auch nach Entlastung nicht mehr verschwindet, eine Verhärtung und gegebenenfalls eine Erwärmung der Haut. |
| Stadium II | Die oberflächlichen Schichten der Haut sind bereits geschädigt. Man sieht eine Blase, eine Hautabschürfung oder eine oberflächliche Wunde. |
| Stadium III | Jetzt sind bereits alle Hautschichten und große Teile des unter der Haut liegenden Bindegewebes zerstört. Man sieht eine tiefe Wunde. Muskel- und Knochengewebe sind aber noch intakt. |
| Stadium IV | Die Wunde ist in diesem Stadium schon so tief, dass Muskelgewebe oder Knochen bereits freiliegen. |
Merken Sie sich vor allem die Frühzeichen: bleibende Rötung, Erwärmung und Verhärtung!
Obwohl diese Frühzeichen oft keine oder nur wenig Beschwerden machen, kann sich daraus eine tiefe Wunde entwickeln.
Welche Körperstellen sind besonders gefährdet ?
Fersen, Hüften, Kreuzbeinregion ( Beckenmitte in Rückenlage )
sowie die rot markierten Punkte.
Wie richtig lagern ?
Richtiges Lagern und regelmäßiges Umlagern sind sehr wichtig. Pflegedienst und Angehörige sollten hier als Team Hand in Hand arbeiten. Druckverteilende Unterlagen und andere Hilfsmittel unterstützen die richtige Lagerung, ersetzen sie aber nicht. Falls möglich, sollte der Patient möglichst viele Bewegungen eigenständig machen und sein Körpergewicht günstig verteilen. Es sollte nicht in 90°-Seitenlagerung (Halbseitenlagerung) gelagert werden, denn dabei wird die Hautdurchblutung eher verschlechtert. 30°-Lagerung (Schräglage, siehe unten) mit Kissenunterstützung dagegen ist erlaubt. Wenn umgelagert wird, achten Sie mit darauf, dass keine Falten, Schlingen oder Manschetten nicht unter dem Patienten liegen bleiben.
Zu empfehlen sind Wechseldruckmatratzen und andere druckverteilende Matratzen oder Niedrigdruckmatratzen (z. B. Luftkissenbetten mit periodischer Druckentlastung) bei Patienten mit sehr hohem Risiko.
Zeitintervall und Lagerungsplan
Bei allen unten angegeben Lagerungen muss nach einer bestimmten Zeit die Position gewechselt werden,
um eine permanente Druckeinwirkung zu verhindern. Das Zeitintervall des Positionswechsels richtet sich nach den Bedürfnissen des Patienten.
Zu Beginn der prophylaktischen Maßnahme sollte zunächst mit einem zweistündlichen Lagewechsel begonnen werden.
Dies kann bedeuten, dass man nachts mehrfach den Wecker stellen und zum rechtzeitigen Umlagern aufstehen muss.
Ist nach einem Positionswechsel keinerlei Hautrötung zu beobachten können die Lagerungsintervalle verlängert werden.
Das Zeitintervall hängt ab von vielen Faktoren
- Dicke des Fettgewebes,
- Kreislaufsituation, Austrocknuung,
- Art der Unterlage
- Ernährungslage
- Grundkrankheiten
- Lagerungs- Position, Gewebe -Druck-Höhe und Einwirkzeit
- Vorschäden etc.
z. B. ermöglicht eine Wechseldruckmatratze längere Zeitintervalle als eine normale Matratze.
Sollte jedoch schon nach zwei Stunden eine Hautrötung vorhanden sein, muss der Patient häufiger gewendet werden.
Hier gilt es durch eine präzise Patientenbeobachtung das richtige Lagerungsintervall zu ermitteln.
In aller Regel erfolgt der Seitenwechsel nach folgendem Rhythmus:
Linke Seite - Rücken - rechte Seite - Rücken - linke Seite - … usw.
Besteht bereits eine Druckstelle im Bereich des Steißbeins, ist auf die Rückenlage völlig zu verzichten.
Empfohlene Lagerung
30°-Lagerung , schiefe Ebene , 135°-Lagerung, Hohl-Lagerung , V-Lagerung
30 Grad - Lagerung
Bei der 30-Grad-Schräglage wird entweder die rechte oder linke Gesäß- bzw. Körperhälfte belastet. Diese Stellen eignen sich zur Druckbelastung, da sie durch die Gewebemuskulatur gut abgepolstert sind und sich keine Knochenvorsprünge darunter befinden.
Diese Stellung wird mit Hilfe von zwei großen Kissen erreicht, die auf die Hälfte (Schiffchen) gefaltet werden.
Das erste wird rechts oder links der Wirbelsäule unter den Rücken gelegt, das zweite unter den entsprechenden Oberschenkel.
Diese Form der Lagerung bedarf einiger Übung und Drehtechnik, sie kann jedoch schnell erlernt werden.
Schiefe Ebene
Zur Patientenlagerung mittels Schiefer-Ebene wird entweder rechts oder links zwischen Matratze und Sprungrahmen Material gesteckt, das die Matratze um ca. 20 cm anhebt.
Hierzu eignen sich gerollte Decken oder Schaumstoffkeile. Zu beachten ist, dass diese über die gesamte Bettlänge reichen. Der Vorteil dieser Lagerung besteht in der einfachen Durchführung für den ungeübten Helfer.
Sie ist besonders schonend, da der Patient nicht gedreht werden muss. Diese Methode eignet sich besonders gut für unruhige Personen, da das Lagerungsmittel weder verrutschen noch aus dem Bett fallen kann.
135°-Lagerung
Die 135-Grad-Lagerung bietet einen besonderen Vorteil bei bereits vorhandenen Druckgeschwüren im Bereich des Steißbeins. Die meisten Patienten empfinden diese Haltung als recht angenehm. Auch hier wird mit zwei Kissen gearbeitet, wobei eines unter eine Hälfte des Oberkörpers gebracht wird und das andere unter die entsprechende Hüfte und Oberschenkel.
Hohl-Lagerung
Eine Hohllagerung entlastet gefährdete Körperstellen wie z. B. die Fersen. Als Lagerungshilfsmittel kann ein einfaches Handtuch oder ein weiches Kissen dienen.
Bei der Hohllagerung ist jedoch darauf zu achten, dass man durch diese Maßnahme keine anderen Körperstellen extrem belastet bzw. einem Druck aussetzt, der die Blutzirkulation beeinträchtigt. Folglich dürfen Sitzringe aus Schaumstoff oder aus Gummi nicht eingesetzt werden. Diese behindern den Lymphabfluss.
V-Lagerung
Die sogenannte V-Lagerung wird bei Patienten erwogen, die bereits Hautschädigungen im Bereich der Wirbelsäule haben. Sie wirkt atemstimulierend als Pneumonieprophylaxe (vorbeugende Maßnahme gegen Lungenentzündungen). Benötigt werden wiederum zwei nicht zu prall gefüllte Kissen, die zu Schiffchen geformt werden. Diese werden im Bereich des Oberkörpers überlappend zu einem V geformt, dessen Spitze oberhalb des Steißbeins liegt.
Diese Lagerung kann auch im Sitzen durchgeführt werden.
Medizinische Wundbehandlung
Die medizinische Wundbehandlung erfolgt nach ärztlicher Anordnung durch unser geschultes Personal mit speziellen
- Spülungen,
- Salben,
- Medikamenten,
- Gel-Pflastern,
- Verbänden,
- Lagerungen,
- Hilfsmitteln usw.





